Mein aktuelles ARP Live-Setup
Seit 2006 arbeite ich mit/an einem "aufgerüsteten" ARP Odyssey II (2811). Arp bietet in der Verbindung mit Max/MSP den Klang und die Klangvielfalt, die ich lange gesucht hatte. Die verlorenen Klänge! So ein kleiner Bühnensynthesizer wird plötzlich wieder extrem reizvoll.
Die ARPs wiederum brachten mich mit Eric van Baaren (SaintEric) zusammen und ich realisierte, daß durch Eric diese Instrumente für mich heute besser denn je einzusetzen sind, denn er passt sie mir regelrecht an!
Zum ARP gehören noch zwei Schwellerpedale (Volumen und Expression) und ein Portamento-Switch. Die ideale klangliche Ergänzung für den Odyssey ist der ARP Little Brother. Es macht einfach Spass, dieses Instrument zu spielen! Dabei ist es recht einfach zu handhaben.
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Damit der Odyssey auch für Klänge "ausserhalb der Popmusik" tauglich wird, ist es sinnvoll, ihn zu modifizieren. Die an meinem 2811 (mit PPC anstelle des Pitchwheels) ausgeführten Mods sind a) Filter- und Audiopath Upgrade (macht den Ody HiFi), b) Mono-/Duo-Switch, c) Beschleunigung und Verlangsamung des LFO um den Faktor 2 (3er Switch), d) Beschleunigung und Verlangsamung der Hüllkurve (AR/ADSR) um den Faktor 10. Durch diese Mods wird der Odyssey deutlich leistungsfähiger und bekommt seinen wunderbaren Klang.
Was es bedeutet, wenn die Hüllkurve 10 x länger geht, soll das folgende Beispiel zeigen. Die Hüllkurve ist auf die Tonhöhe Oszillators gelegt und die Attack Zeit ist auf Maximum gestellt. Zuerst der normale Verlauf (ca. 5 Sek.), danach der verlängerte Verlauf (modifizierter Ody = 50 Sek.). Auch 100 Sek. sind als Modifikation möglich.
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Diese Modifikation bringt auch mehr Schnelligkeit. In der dritten Position des Switches wird die normale Zeit durch 10 geteilt (d.h., die maximale Attack-Zeit ist nur noch eine 1/2 Sekunde). Perkussive Klänge bekommen deutlich mehr Ausdruck und lassen sich genauer ausformen. Mehr über die von SaintEric angebotenen Modifikationen weiter unten.
Allein dieses Beispiel zeigt sich sehr deutlich, daß der Odyssey ohne diese Modifikationen zwar ein schöner Synthesizer, jedoch nur sehr eingeschränkt einsetzbar wäre. Die Wertigkeiten wären schlicht ungenügend. Durch die Modifikationen aber, wird der Odyssey ein kleines, versatiles, analoges Instrument, ideal für fast alle Anforderungen.
Die verbundene Software (Max/MSP) baue ich weitestgehenst modular auf. Momentan experimentiere ich mit dem Audio-Interface als digitale Patchbay. Die ARPs verstrahlen in diesem Verbund Magie und erzeugen ein deutlich persönlicheres, elektronisches Klangbild, als es digitale Elektronik allein vermag.
Auch für Unterwegs ist die Kombination Odyssey/Little Brother wirklich sehr gut (nicht zu gross, zu schwer oder zu viel). ARPs sind aber durch ihre Sliders deutlich fragiler als andere Synthesizer und müssen immer gut behandelt werden.
Mein neu entstehendes ARP Live-Setup
Zu Weihnachten 2009 hatte ich grosses Glück und bekam einen NAGELNEUEN Odyssey MkIII (2821). Er war 1976 gekauft und daraufhin in Folie eingeschweisst worden. Eine phantastische Sache, denn es macht wirklich einen Unterschied, ob ein Instrument bereits mehr als 30 Jahre gebraucht wurde oder nicht - nicht wegen der Funktionalität, sondern eher, weil man spürt, daß dieses Instrument noch keine Vergangenheit hat (die Kontakte müssen trotzdem alle gereinigt und auch einige Kondensatoren ausgetauscht werden).
So baue ich jetzt ein zweites Setup auf. Mein tastaturloser Axxe ist als Erweiterung mit von der Partie, jedoch werden beide Synthesizer demnächst (weiter) modifiziert und teilweise modularisiert, um noch komplexere Vorgänge zu ermöglichen.
Zu den oben genannten Mods kommen noch folgende Funktionen: zwei weitere Wellenformen (Sinus, Dreieck) für VCO1, LF Switch für VCO2, ein weiteres Filter (Multimode), zusätzlicher LFO, jeweils schaltbare AR und ADSR (speed), Portamentospeed, lowest/highest note priority-switch und Oktavschalter. Als Chroma-Remineszenz wird ein Schalter eingebaut, der das Keyboard invertiert. - Wow! 34 Jahre alt und trotzdem neu! Hier sind ein paar Töne meines neuen Setups (noch vor dem Audio- und Filter-Upgrade).
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Mods
Da die Modifikationen nur schwer vorstellbar sind, habe ich mal eine, auf die Schalter und Regler beschränkte Skizze für den Odyssey angefertigt, auf dem alle Modifikationen sind, über die ich mit Eric (SaintEric) diskutiert habe. Das Multimode-Filter SE4109 ist noch in der Beta Phase, verspricht aber, ein wirkliches Highlight zu werden, denn es repräsentiert verschiedene ARP Filter (nach ARP Original-Plänen).
Auch bin ich sehr gespannt auf den neuen, weiterentwickelten VCA, denn der VCA des Odssey ist sicher seine Schwachstelle. Das lässt sich im Vergleich mit dem Axxe hören. Verstärkung lässt sich aber ja ausgleichen.
Das SE2607 Modul mit den zusätzlichen Wellenformen (die des ARP 2600) wird auch alternativ mit Schaltern angeboten. Extremisten können auch zwei SE2607 (für beide VCOs) einbauen lassen! Natürlich sind die Mods immer wieder verschieden und auch die Orte der Pots und Switches können variieren. In der Regel kommen auch nicht alle Modifikationen gleichzeitig ins Instrument, sondern nach und nach - eher wie weitere Anpassungen an die gewünschten Funktionen. Die Mods "highest/lowest note priority" und "mirror" (die Umkehrung der Tastatur) kamen erst durch meine Nachfrage zustande. Das ist wirklich toll, wenn man sagen kann: "ich hätte/würde gerne..." - und dann bekommt man einen neuen Schalter, Poti oder Ein-/Ausgang an den Synthesizer mit eben dieser Funktion. Auch die Problematik der oft bescholtenen Eigenart des Odyssey, dem 2-Oktaven Transpositionshebel, hat Eric van Baaren mir durch einen 1-Oktav-Switch aufgelöst.
Joy Sticks
Das Interface des EMS Synthi AKS hat mich durch die Matrix und den Joystick immer am sehr gereizt. So habe ich mich entschlossen, auch dem Odyssey zwei Joysticks als Controller zu spendieren. Nach kurzer Suche habe ich geeignete Modelle bei Doepfer gefunden, bestellt und "kompiliert". Der Zusammenbau des Doepfer Kits könnte kaum einfacher sein (12 Kabel löten).
Über die Wheel Electronic (WE) in MIDI verwandelte Daten können so den ARP über die Aux-Ausgänge des Kenton Pro2000 MkII steuern. Die Rückholfedern der Joysticks habe ich entfernt, so daß die Hebel in der aktuellen Position verharren. Da es nirgendwo kommuniziert wird: der Doepfer (ALPS) Joy Stick I hält auch bei entfernter Rückholfeder seine Position sehr gut. Er fühlt sich ohne die starke Feder sogar "wertiger" an, als mit. Abzwacken hat allerdings nicht gereicht - der Joystick verhielt sich "unrund", weil Reste der Feder leichten Widerstand boten. Nach der Entweidung des Potis (Öffnen und Herausnehmen der Federreste) war alles tip top.
Ein gutes Gehäuse zu bauen, ist der schwierigere Teil der Aufgabe. Um den Aufbau auf dem Synthesizer minimal zu halten, habe ich die WE-Platine in einem eigenen Gehäuse untergebracht (auf dem Foto nicht zu sehen). Dadurch bin ich auch das Kabelproblem los: Netz- und MIDI-Kabel laufen in die zweite Box.
Meine ARPs in den 80er Jahren
Durch die Folgen der Pleite der Firma ARP 1981 kamen 1983 einige Rhodes Chroma´s auf den Markt, die für ein Drittel des Originalpreises zu haben waren. Es war also DIE Chance, einen amtlichen Synth zu bekommen und damit eine wirkliche Basis, herauszufinden, ob Synthesizer "etwas für mich sind". Ich konnte das Geld auftreiben und bekam dieses Schlachtschiff.
Ein Jahr später machte ich meine erste Synthesizer-Produktion für ein Theaterstück von Ivan Klima. Ein Knall.
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Klanglich im Bereich des Nonplusultra der Zeit. Cassetten-Interface, Computerschnittstelle für Apple II (!) und voller Platinen. Ich glaube, die Hardware entsprach 16 ARPs - dadurch kam die überbordende Klangvielfalt zustande. Einige Nachteile gab es jedoch: das ungeheure Gewicht, die technische Anfälligkeit - fast alle Chromas, die ich sah, hatten mindestens ein ausgefallenes Modul (das waren 2 Stimmen) - und die fehlenden Modulationsmöglichkeiten. Der Chroma ist analog, aber mit digitaler Oberfläche. So musste der zu modulierende Parameter auf einen (1nen!) speziellen Fader gelegt werden. Na ja. Es gab noch zwei Shifter-Hebelchen (die waren wirklich gut - ich vermisse sie noch heute). Der Rhodes Chroma war/ist ein Ungetüm in jeder Hinsicht!
Wegen des Modulationsdranges steuerte ich dann auf einen ARP 2600 (Bj. 70 -81) zu. Ich konnte ihn billig für umgerechnet ca. 500 Euro kaufen. Er war völlig aus der Mode - doch gab es noch kein Internet und Service-Arbeiten waren schwer zu bekommen - die meisten Werkstätten wollten die Teile nicht anrühren. Mein 2600 war super - er lebte (und rauschte) und ich machte die Erfahrungen, die ich so sehr gesucht hatte.
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Vor allem nutzte ich den ARP 2600 bis 1989 für Live Darbietungen improvisierter Musik. Ziemlich gefährlich für Halbwissende wie mich (damals ;-). Man konnte verlorengehen bei der verwirrenden Menge von Schaltungen und Verkabelungen. Aber es war ein phantastisches Instrument an guten Tagen! Wow. Was für ein Trip! Der Transport von Chroma, 2600 und E-Piano war allerdings ziemlich aufwändig.


