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Für die Umsetzung einer kompositorischen Idee oder einer, das instrumentale oder vokale Spiel betreffenden, elektronischen Erweiterung, eignet sich eine massgeschneiderte Software am besten. Neben der technischen Bewältigung der Anforderungen an diese Software ist die Verbindung der zu steuernden Parameter mit Hardware-Controllers einer der interessantesten Aspekte, weil Verwaltung und Spontaneität hier zusammentreffen müssen. Das Ergebnis nennt sich Interface und kann ein Schieberegler, ein Pedal, eine Klaviatur, Licht- oder Feuchtigkeits-Sensor sein. Oder eine Videokamera. Es gibt kaum Grenzen. Selbst die Robotik bietet sich zur Einbeziehung an. Gelegentlich beauftragen mich Komponisten, Software nach ihren Vorgaben zu entwickeln, die Realisation der Live-Elektronik.
Software für Komponisten
Das linke Bild zeigt die von mir programmierte Software zum Aufführen des Stückes "Morite" (für Stimme und Live-Elektronik) des sardischen Komponisten Giorgio Tedde.
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Für Giorgio Tedde habe ich bisher die meiste Software entwickelt. Wir kennen uns schon aus unserer gemeinsamen Zeit im elektronischen Studio der Musikakademie in Basel. Er teilt mir mit, was er möchte, oft sehr konkret (wie z.B. Angaben zum Pitch-Shifting und Delayzeiten etc.), meistens wird dies und das nach jeweils kurzer Konversation geändert/angepasst und dann kommen meistens nochmal Ergänzungen, Änderungen etc. nach den ersten Proben. Giorgio Tedde ist der Erste, mit dem ich inzwischen auf Langzeit-Erfahrungen zurückblicken kann (und die sind sehr positiv), denn das, was ich für ihn mache, gab es früher eigentlich nur in Verbindung mit Hochschulen oder ambitionierten Radio-Studios - auf jeden Fall in einer Umgebung mit Riesen-Subventionen. Auch ist kein Hindernis, daß er in Bern und Italien und ich in Norddeutschland niedergelassen sind.
Ein toller Aspekt ist, daß durch das Fortschreiten der Technik solche, ehemals geradezu unbezahlbaren Dinge, mittlerweile (wie in diesem Beispiel) bis in den Low-Budget Bereich bewegen. (Der abgebildete Motorfader-Controller kostet 155 Euro - für 1000 Euro bekommt man bereits eine TopNotch Hightech 8 Kanal Faderbank!) Dies ermöglicht heute Komponisten, zuhause mit der Elektronik zu experimentieren - etwas wofür man früher in eines der wenigen elektronischen Studios gehen/fahren musste, um mit Technikern oder Studenten an der Realisierung des elektronischen Teils der Komposition zu arbeiten. In engen Zeitrahmen. Oft auch ein Lotteriespiel...
Um Software Entwicklungskosten so niedrig wie möglich zu halten, habe ich eigene Standards entwickelt, die es ermöglichen, sehr schnell und trotzdem komplex zu arbeiten. Ein Hauptaspekt dabei ist die modulare Bauweise: Audio Ein- und Ausgänge, Faderbank-Controller, Delays, Filter etc. programmiere ich als Module, die untereinander über eine Matrix verschaltet werden.
Für die gängigen Controllers habe ich bereits programmierte Patches, so daß bei variierenden Hardwareanfordungen die benötigten Steuermodule für neue oder bestehende Software sofort zur Verfügung stehen.

Auch für den Audio I/O Bereich habe ich bereits viele vorprogrammierte Patches mit genauer Anzeige, ob als LED- oder als VU-Meter. Mit einer zusätzlichen Verschalt-Matrix ist alles für einen "Mainframe" vorhanden, in dem die dann hinzukommenden Audiomodule für´s "Processing" leben können. Im Beispiel rechts sind auch noch zwei Ramp Generatoren, Warper, zwei LFO´s und zwei Phasengeneratoren zu erwähnen.
Wertigkeitsumfänge der Regler können über die Software variiert werden. Komplexe Gesamteinstellungen werden als Presets gespeichert und abgerufen. Da es immer wieder Stellen gibt, an denen sich zu viel gleichzeitig oder in einer Weise ändert, als daß man es manuell schaffen könnte, können Prozesse auch artikuliert und vordefiniert werden. Zur spezielleren Ausführung stehen dafür zusätzlich diverse Timeline oder Ramp-Generatoren zur Verfügung.
Alles andere sind Audiomodule, die immer wieder modifiziert werden können. Natürlich sind dies eine grosse Anzahl verschiedener Filter, Delays, Shifter, Ring- und Amplituden-Modulatoren, Phasenverschieber etc. pp.. Oszillatoren aller Art und diverse Syntheseformen zur Tonerzeugung - in -zig Modulen werden z.B. verschiedene Aspekte der Granularsynthese schwerpunktartig umgesetzt. Sampling in jeder erdenklichen Form... Für Vor-Produktionen steht auch die Einbindung meines analogen Equipments offen.
Hier ist ein Video des Stückes "Boreo" von Giorgio Tedde, für das ich die Elektronik entwickelt habe (externer Link - nach Erscheinen der Seite ca. 10 sec. Ladezeit).
Zu sehen und zu hören sind Miako Klein an diversen Flöten (darunter eine Kontrabassflöte!) und Theodor Milkov am Schlagzeug. Die Aufnahme wurde am 10. November 2007 im Muziekgebouw Amsterdam gemacht.
Live Video
Wie bei so Vielen rückt auch in meiner Arbeit Video weiter in den Focus. Natürlich arbeite ich in diesem Medium, wie auch im Audio-Bereich, am liebsten in Realtime. Durch den Einsatz von Video kann der Raum während eines Konzertes erfahrbarer werden, eine neue Gesamtsituation entsteht und ein Sinn macht dem anderen den Weg frei. Das ganze geht aber etwas Richtung dreidimensionales Schach und verlangt Zeit für Vertiefung. Sicherlich wird Video in der nächsten Zeit seine Rolle vertiefen und vielleicht endlich im enthypten Dasein vielleicht auch seine Reize vermitteln können.
Live Visualisierungen
Für Live-Visualisierungen von DJ-Sets komme ich gelegentlich auch mit Freunden der TechHouse/Minimal Music zusammen. Auf dem Foto sind die DJ´s Manon und Pascal Feos zu sehen. Eine heisse Nacht auf dem Schiff in Basel. Die Visualisierung der Musik geschieht auch mit einer Live-Kamera, was den Live-Charakter der Visualisierung deutlich verstärkt.